„What the World needs now, is Politrock!“

 

So muss es wohl den jungen Männern der Rots durch den Kopf gegangen sein, als sie beschlossen, die anscheinend unpopulärste Form des Widerstands für ihr politisches Engagement zu wählen. Politrock oder auch Agitpop, das klingt nach Teestubenmuff, Diskussionszwang, Zeigefingerei und antiautoritäre Stoffwindeln.

Aber all das sind die Rots nicht.

 “Wir sehen uns in der Tradition solcher Acts wie den Bots, den Scherben etc. aber man muss sich auch mal diese verrückten Zeiten ansehen. mit „was wollen wir trinken“ können höchstens noch Scooter Geld verdienen. Wir sind Future-Politrock.“, sagt  Nilz und sein Kollege Klaus ergänzt “also, Future von damals aus gesehen. heute sind wir ja quasi wieder retro.“

Da fällt ihm dann Tom ins Wort “wobei retro natürlich wieder modern ist!“ “was nicht heißen soll, das wir auf Teufel komm raus modern sein wollen. wir machen halt einfach Future-Politrock.“ schließt Sten ab.

Episoden wie diese sind häufig bei den Rots. Interviews werden grundsätzlich in der vollen Besetzung gegeben, und niemals antwortet einer alleine.

Basisdemokratisch eben, und das ist auch die Attitüde ihrer Songs.

“Start a Revolution“ zum Beispiel. das Lied ist eine Hymne, zum aufwecken des Widerstands, die aber nicht so augenwischerisch ist, dem Zuhörer die möglichen Konsequenzen zu verschweigen. Da heißt es: “hau dem Chef aufn Kopp, und dann räum dein Büro.“ mit diesem Lied macht man sich sicherlich keine Freunde in der Abteilungsleiter-Szene.

Aber all das schert die Rots nicht. Sie empfinden es als ihre erste Bürgerpflicht, die Leute über die hiesigen und heutigen Missstände aufzuklären.

Klaus: “das kann es ja nicht gewesen sein. Die Wirtschaft liegt brach, der Bürger hat keinen Cent mehr im Geldbeutel, Gesundheit ist Luxus und die Ökosteuer ist ja wohl der reinste Hohn!“

 “Ich glaube was Klaus damit sagen will“ fährt Nilz fort, “ist das wir eben nicht darauf festgelegt sind nur die Umwelt oder die Bürger oder die Wirtschaft zu retten. Jedem muss geholfen werden.“ “Wir haben auch nicht diese klassischen Feindbilder wie den Konzern oder die Regierung oder das Marketing. Wir haben einfach einen nicht verletzenden Hass auf alle!“ sagen Tom und Sten im Chor.

Über der Wut im Bauch den Kopf nicht zu verlieren, das ist es wohl was die Rots nicht nur so einzigartig, sondern auch zum Sprachrohr ihrer ganzen Generation macht. Fair wie sie sind, hat bei ihnen der textliche Aspekt genau so viel Gewicht wie der musikalische.

“Also, als erstes sind wir nun mal Rock.“ erklärt Tom. “Aber wir sind keine Schublade.“ sagt Sten. “nee, ne Schublade sind wir wirklich nicht.“, lächelt Nilz. “Dann doch eher die ganze Kommode.“ strahlt Klaus, im Kopf schon wieder ganz bei der Musik. Und die präsentiert sich tatsächlich eher wie ein bunter Reigen der letzten 30 Jahre Rock, aber mit Mut zum Experiment.

War man in einen Song noch vom Mundharmonikasolo überrascht, so wird man im nächsten von einem Keyboardsolo schon wieder auf eine ganz andere Fährte geführt. Die aber nur ein Ziel hat: gehört zu werden. Die scheinbar brachialen, aber eben doch im Detail grazilen, Gitarrenwände sind für die politische aussage der Rots eben nicht nur konse- , sondern auch eloquent. Und diese Verbindung von Text und Musik, ist es, was dem Zuhörer nicht nur einen kalten Schauer über den Rücken jagt, sondern auch den Gedanken: “Hey, die sprechen mir aus der Seele. Die meinen es ernst!“

Somit kann man nur hoffen, das sie ihren Kampf gegen die vermeintlichen Windmühlen so schnell nicht aufgeben, damit sie uns noch lange erhalten bleiben, uns noch so manchen interessanten Denkanstoss geben können und damit sie ihrem  Albumtitel, für ihr geplantes Werk gerecht werden, das da heißen soll: “die Rots erzwingen den Weltfrieden“; und jeder von uns kann dabei helfen.

  

„die Rots“ sind:  Nilz - Gesang

                            Klaus - Gitarre / Gesang

                             Sten - Keyboards / Drum

                            Tom - Gitarre / Gesang

                            Ralf - Bass